Eine Welt. Ein Klima. Eine Zukunft

Simbabwe – „Damit die eigene Stärke wachsen kann“

Seit vielen Jahren sammeln wir in den Weihnachtsgottesdiensten eine Kollekte für Brot für die Welt. In diesem Jahr werden wir auch in der Adventszeit alle Spenden und Kollekten und den Betrag aus unserem Weihnachts-Spendenbrief an Brot für die Welt überweisen. Wir möchten so Menschen in Simbabwe helfen, die unter den drastischen Folgen der Klimaveränderung leiden.
 

In den 42 Jahren ihrer Ehe gab es nur eine Hand voll Tage, die Evelyn und Gift Dirani nicht zusammen verbracht haben. Aufgewachsen im gleichen Dorf im Osten Simbabwes, konnten sie als junge Familie ein bescheidenes Leben leben. Doch die letzten Jahre hätte die Familie ohne Unterstützung von TSURO kaum überlebt. Strom gab und gibt es bis heute nicht in ihrem Dorf Nyanyadzi, der nächste Wasserhahn ist Hunderte Meter entfernt. Aber irgendwie warf die Ernte immer genug ab, für sie, ihre Kinder und die Enkel —- „mit Gottes Hilfe“, wie Evelyn sagt.
Bis vor ungefähr zehn Jahren. Da begann, was bis heute anhält: Erst war es ein Tag in der Woche, an dem sie hungrig zu Bett gingen. Dann zwei. Die Temperaturen stiegen, die Erträge ihrer Felder sanken. Die Regenzeit setzte immer später ein. Und wenn sie Ende November endlich kam, dann meist nur mit geringen Niederschlägen. Oder so heftig, dass die Felder regelrecht weggeschwemmt wurden.

Mitarbeitende von TSURO zeigten den Diranis, wie sie mit den Folgen des Klimawandels überleben — und gleichzeitig die Umwelt schützen können. Welches Saatgut funktioniert unter den veränderten Klimabedingungen? Wie lässt sich der geringe Niederschlag effektiv nutzen? Die Bauern und Bäuerinnen werden, so die Strategie, nach ihrer Weiterbildung selbst aktiv und verbreiten so das erworbene Wissen im eigenen Dorf weiter. Ein Schneeball-System, von dem Zehntausende profitieren.
Inzwischen ist die Produktivität ihrer Felder ge­stiegen. Aber die Diranis wissen: Sie muss sich weiter erhöhen. Klimaforscher wie Manatsa gehen davon aus, dass es hier, in den tiefer gelegenen Gegenden Chimanimanis, in Zu­kunft noch dramatischere Dürren geben wird.

Früher pilgerten die Diranis in solch harten Phasen in das eine Tagesreise entfernte, regen­reichere Hochland – schließlich gehörte die Region lange zu den fruchtbarsten des Landes. Sie verdingten sich dort als Saisonarbeiter, bis es in der Heimat wieder genug Regen gab. „Das hat uns einige Male gerettet“, sagt Gift Dirani, „aber jetzt leiden die Menschen dort ja noch mehr als wir hier.“
Zuversichlich blicken die Diranis in die Zukunft. Kraft ziehen sie aus den gemeinsamen Gebeten, jeden Abend. Und aus ihrer Ehe. Neulich war zum ersten Mal seit Langem etwas Geld übrig, umgerechnet ein paar Euro. Bei der Hochzeit vor 42 Jahren fehlten die Mittel für Eheringe, nun ging Evelyn alleine los und kaufte welche. Silbern gefärbtes Metall. „Wurde Zeit“, sagte sie ihrem überraschten Mann, als sie ihm den Ring ansteckte. Dann gingen sie zurück aufs Feld. Und arbeiteten weiter.