St. Paulus

Ausschnitte aus der Predigt zur Weihe des neuen Altarraums

 

sie ausgesucht, sie ausgesucht, und sie guckten sich unseren Kirchenraum an. Und da hat eine der Künstlerinnen gefragt: „Muss auf einem Altar ein Kreuz stehen?“ „Ähm“, habe ich gesagt, „also für mich schon!“ Es ist doch unser Zeichen!

Und nun sehen Sie: Einen Altarraum, der kein Kreuz hat. Einen Altarraum, der ein Kreuz ist. Im Fußboden eingelegt ist es. Es ragt in das Kirchenschiff hinüber, wie eine Brücke in den Altarraum hinein. Und der Altar ist ein Kreuz, und das Taufbecken, und der Osterleuchter. Alle bilden die gleiche Kreuzform, ein „Tau-Kreuz“ nennt man das, nach dem letzten Buchstaben Tau des hebräischen Alphabetes. Dies Tau ist noch mehr als das uns vertraute Kreuz ein Siegel, ein sehr endgültiges Zeichen.

Beim Propheten Hesekiel wird erzählt, wie die damit bezeichnet werden, die sich in der Verfolgung zu Gott gehalten haben – und wie sie dann durch dies Zeichen auch von ihm beschützt sind (Hesekiel 9).

Gott weiß, wie wir sind – dass wir Zeichen brauchen. Natürlich können wir ihn überall treffen, im Gebet, im Anderen, in der Natur. Aber so ein Ort mit dem Kreuz, Kerzen brennen, vielleicht Musik – das ist eine Hilfe, und wenn auch nur zur Konzentration. Das ist eine Erinnerung daran, wie Gott geholfen hat, immer wieder; das ist ein Trost. Und so ist das Kreuz eine Gotteskraft – wie Paulus gesagt hat (1. Korinther 1,18).

Wenn wir taufen, dann zeichnen wir ein Kreuz über das Kind oder den Erwachsenen. Und ich sage dazu: „Nimm hin das Zeichen des Kreuzes. Du gehörst Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.“ Und dann denke ich: „Ja, ein gesegnetes Leben unterm Kreuz. Leicht wird es nicht, das verspricht dir Gott nicht. Aber dass er da sein wird, wenn du ihn suchst, und dass er antwortet, wenn du ihn rufst. Und dass du auch in den tiefsten Tiefen nicht fern bist von Gott – das verspricht er dir mit dem Zeichen des Kreuzes.“

Eine Brücke mit einem Treffpunkt – so empfinde ich unseren neuen Altarraum. Deshalb ragt der Längsbalken des Tau-Kreuzes auf dem Fußboden ins Kirchenschiff hinein – Gott ist diesseitig geworden. Deshalb steht das Taufbecken in Zukunft auf diesem Brücken-Kreuzbalken – damit wir sehen, wie wir durch die Taufe die Brücke beschritten haben.

Katharina Behnke

Fragen zum Kreuz